Happy House, Conen Sigl Architekten, Zürich 2013

Gastprofessur im Wintersemester 2016/17
Maria Conen


Grundelemente der Architektur 

«Immer sind Böden, Decke und Wand die elementaren Bestandteile aller architektonischen Tätigkeit.» Hermann Sörgel, Architektur Ästhetik, 7. Kapitel, Wesen der Architektur als raummässige Kunst, München 1921, S. 201  

Es gibt eine lange Tradition in der Architekturgeschichte über die Rezeption der Grundelemente eines Raumes. Eine berühmte Beschreibung der ersten Grundelemente der Architektur findet sich in Marc-Antoine Laugier’s Essai sur l’Architecture von 1753. Vier Pfähle im Quadrat angeordnet und ein Dach konstituieren Laugier’s Urraum. Gottfried Semper beschreibt 1851 sein Bild der Urhütte nach dem Vorbild einer karaibischen Hütte. Dabei bleibt er bei dem Bild von Laugier, in welchem die Stützen das Dach tragen, fügt aber als raumbildendes Element den Teppich als Schutz und Grenze zwischen Innen und Aussen hinzu. 1914 führt Le Corbusier die Modelle Sempers und Laugiers zum «Domino» Prinzip zusammen. Ein Skelett bestehend aus Betonplatten und Treppe, welche von Stützen, «Pilotis» getragen werden. Dieses Gerüst entspricht dem Modell Laugiers. Die Fassade wiederum beschreibt Le Corbusier als Vorhang, welcher frei gestaltet werden kann und unabhängig von der inneren Struktur funktioniert. Dies entspricht dem textilen Element Sempers, welches um die Stützen gespannt wird.
Alle Konzepte bleiben bis zu einem gewissen Grad abstrakte Beschreibungen statischer und funktionaler Systeme. In diesem Semester versuchen wir Räume zu schaffen, welche diese Grundelemente als Bausteine nehmen, um die Gestalt und Ausdruck eines Raumes zu bestimmen. Die konstruktiven Elemente sollen zu Mehr als Nur funktionalen Elementen werden – ihre Komposition, Dimension und Materialität prägen und gestalten jeweils den entworfenen Raum und seinen Charakter. Aus dem Innenraum heraus sollen städtische Häuser entworfen werden, welche eine zeitlose architektonische Qualität aufweisen. Eine mehrdeutige und beziehungsreiche Architektur ist dabei das Ziel. Auf die Dialektik von Innenraum und äußerer Erscheinung wird großen Wert gelegt. Wobei Brüche und Widersprüche in die Entwurfsmethode einbezogen werden.  

«Tatsächlich liegt das eigentliche Wesen der Architektur in der Doppelwirkung von Innen und Aussen, von Körper und Raum, von umschlossenen und umschließenden Elementen. Es liegt in dem, was Sörgel das Janusgesicht der Architektur genannt hat. Platz und Strasse sind das Ergebnis der sie umschließenden Baukörper, sowie die Wände und die Stützen den Raum im Inneren bestimmen.»
O.M. Ungers, Sieben Variationen des Raumes über die sieben Leuchter der Baukunst von John Ruskin, Das Janusgesicht der Architektur, Stuttgart, 1985  

Der Reichtum der Architektur sollte genutzt werden und die Arbeit mit Referenzen bildete den Ausgangspunkt vom eigenen Entwurf. Durch die Analyse von Innenräumen und Fassaden aus verschiedenen Epochen wurden architektonische Prinzipien und Themen abgeleitet, welche die Diskussion im Studio und die Arbeit am Projekt begleiteten. Der Referenzkatalog war eine Auswahl von Innenräumen und Fassaden aus den letzten 500 Jahren, welche wir als wichtig betrachteten, die uns inspirieren und die bis heute eine architektonische Kraft und Gültigkeit behalten haben.  
Auf drei Bauplätze innerhalb des «äusseren Rings» von München, an Orten, wo das gebaute Gefüge schon brüchig und «offener» ist, wurden Häuser entworfen, welche aus dem Inneren heraus entwickelt wurden. Anhand von Zeichnungen und grossmassstäblichen Modellen haben wir uns diesen Themen gewidmet.  

Eine Exkursion nach Wien war Bestandteil des Semesters. Der Augenmerk lag auf verschiedenen Innenräumen von Semper über Loos bis Czech und Hollein.  



 

 

 

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