Quelle: © EMI Architekten

 

Master Wahlpflichtmodul Architektur & Stadt
WORKSHOP CHRISTIAN INDERBITZIN
03. - 07. Juni 2019

"MIMESIS"

Architektur, wie auch immer sie gedacht und gemacht ist, bezieht sich immer auf etwas schon Dagewesenes oder Bestehendes. Die vielfältigen, potentiell unbegrenzten Bezugnahmen sind dabei das Resultat ebenso vielfältiger mimetischer Prozesse. Ein Entwerfen ausserhalb solcher Prozesse scheint nicht vorstellbar.

Blumenberg beschreibt dies als die «Unfreiheit der Mimesis » und referiert auf Paul Klee, der seinen «frei geschaffenen » Bildern Titel gab und sie damit als «etwas» bezeichnete. Diese Namensgebungen sieht er als «Akte eines besturzten Wiedererkennens». Sie beinhalten das Gewahrwerden, dass die Gabe Ähnlichkeiten zu erkennen, nicht ausser Kraft zu setzen ist (Engelberg-Dockal et al.).

Gleichzeitig bringt ein gutes Haus immer auch etwas Eigenes (seltener etwas «Neues») hervor. Mimesis lässt sich deshalb nicht auf eine mechanische Imitation, auf ein plattes Abbild reduzieren. Sie umfasst vielmehr die Interpretation, Adaption, Aneignung, Verwandlung und Idealisierung des Bestehenden. Neben der Ähnlichkeit ist deshalb die Differenz zum Anderem genauso bedeutsam. Die Mimesis verbindet das Reale mit dem Idealen, indem sie deren Distanz durch Ähnlichkeit überbrückt (Moravánszky).

Die Anverwandlungen sind so offen und assoziativ wie unser Denken. Sie können ganz direkt Form und Material betreffen oder aber auch «nur» eine Idee spiegeln. Im letzeren Fall ist die Mimesis ein rein gedanklicher, imaginativer Akt. Immer wieder steht die «Natur» und der Mensch am Ausgangspunkt. Entsprechend vielgestaltig sind die Ausdrucksformen, die sich dem Rezipienten einmal aufdrängen, in einem anderen Fall entdeckt werden müssen. Sie reichen von blossen Zitaten über trügerische Mimikry hin zu überraschenden Irritationen, diffusen Resonsanzen, zur Naturform, anthropomorphen Formen usw.

In unserem Workshop wollen wir kleine Entwürfe erarbeiten, die sich bewusst und explizit einem mimetischen Verfahren bedienen und einen Ausdruck der «Ähnlichkeit» zum Inhalt haben. Der öffentliche Raum der Stadt München könnte dabei zum Ausgangspunkt der Recherche werden.

Einführung/Bewerbung Montag 06. Mai 2019 um 16.00 Uhr LSA 3120

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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