Quelle: www.lia.tu-berlin.de, Ernst-Reuter-Platz, Berlin, 1968

 

Master Projekt + Seminar (Studentenwettbewerb Werkbund Berlin)
ERNST-REUTER-PLATZ BERLIN

 

„In jüngster Zeit ist eine eigene nervöse Krankheit konstatiert worden: die „Platzscheu“. Zahlreiche Menschen sollen darunter leiden, d. h. stets eine gewisse Scheu, ein Unbehagen empfinden, wenn sie über einen großen leeren Platz gehen sollen. (...) Auf unseren modernen Riesenplätzen mit ihrer gähnenden Leere und erdrückenden Langweile werden auch die Bewohner gemütlicher Altstädte von der Modekrankheit der Platzscheu befallen.“ (Camillo Sitte, „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“, Wien 1909)

Diese wesentlich frühere Schilderung Camillo Sittes eines fiktiven Krankheitsbildes lässt sich durchaus auch auf den Ernst Reuter Platz in Berlin übertragen. Durch seine unglaubliche Dimension, seine aufgelockerte Anordnung großer Solitärbauten und den eindeutig privilegierten, motorisierten Verkehr wirkt er überaus unwirtlich gegenüber dem Fußgänger. Nicht umsonst wird trotz der zentralen Bedeutung als Verkehrsknoten die inselartige Mitte des Platzes so gut wie nicht genutzt. Als Manifest der autogerechten Stadt des westlichen Berlins in den 1950er Jahren gebaut, wirkt er gut 60 Jahre später wie ein überholtes Modell einer utopischen Stadtidee.

 

Einführung: Dienstag 25. April 2017 15 Uhr Raum 3120 LSA  

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